Wie wirke ich auf andere? – „Check your Image“

Der Spiegel unserer Seele ist ein Zerrspiegel: Von ihm wird das Positive hervorgehoben und er lässt das Negative verblassen. Doch das Bild, das andere von uns haben, ist längst nicht immer objektiv. Aus diesem Grund fragen sich viele, wie sie auf andere wirken!

Sehe ich sympathisch aus? Passt meine Frisur zu mir? Komme ich selbstsicher rüber, oder ätzend, gar arrogant oder schüchtern? Diese Fragen wirst du dir sicherlich schon gestellt haben – und die Antworten, die du von deinem Partner, Freunden oder Verwandten erhalten hast, sind entweder unbefriedigend oder nicht ganz aufrichtig. Doch wie gehst du am besten mit dem „nicht immer objektiven“ Bild um, das andere von dir haben?

Des Kaisers neue Kleider

Er war bedeutend, geachtet und immer sehr gut drauf und so kam er erst gar nicht auf den Gedanken, dass seine Mitmenschen ihn anders sehen. Umso peinlicher war es, als ein kleines Kind plötzlich rief: „Der hat ja gar nichts an!“

In Wirklichkeit sind die neuen Kleider des Kaisers nur Luftgespinste und genau das macht den Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Außenwirkung sehr anschaulich: Denn wir sehen im Spiegel ganz anders aus als in den Augen anderer. Doch warum weichen Selbstbild und Fremdbild oftmals so stark voneinander ab?

Der Lehrbeauftragte Michael F. Gschwind an der Fakultät für Psychologie in Basel erklärt, dass wir alle unterschiedliche Wahrnehmungen haben. Wir sehen an dem anderen nur das, was wir sehen und hören können – aber in jedem Menschen stecken noch viele andere wichtige Faktoren wie bspw. Bedürfnisse oder Einstellungen – und eben diese sehen wir nicht. So versucht man im Berufsleben stets als besonders motivierter, leistungsfähiger Mitarbeiter wahrgenommen zu werden – und das auch, um sich zu schützen: Jeder der nicht verraten will, dass er Probleme hat, wird stets nur einen Teil von sich zeigen.

Das Fremdbild bleibt für Psychologen immer unvollkommen. Gschwind erklärt, dass die Psychologen in einem Bewertungsverfahren, dem sogenannten Assessment Centers, versuchen, das objektive Bild von einem Menschen durch metrische Tests (Intelligenztests) zu erhalten, indem Bedürfnisse, Emotionen oder persönliche Eigenschaften gemessen werden. Doch in Wirklichkeit kommt man der Wirklichkeit nur nahe, denn es wird niemals eine 1:1-Abbildung geben.

Welche Sicht für uns wichtiger ist, die eigene oder die fremde, das hängt vom Kontext ab. So ist es laut Gschwind beruflich das Fremdbild, denn wir werden bewertet und erhalten nach dieser Bewertung den Job, das Geld und die Chancen. In einer Beziehung hingegen, in der jeder auch einfach nur er selbst sein kann, ist das Selbstbild wichtiger.

Allerdings zeigt bspw. das Betrachten von eigenen Fotos ganz klar, dass unsere Sichtweise so gut wie nie ganz objektiv ist. Der Psychologe erklärt, dass einer der wie George Clooney ausseht, eher positiv wahrgenommen wird, als jemand, der einem Terroristen ähnelt. Bei der Eigenwahrnehmung und der Fremdwahrnehmung handelt es sich immer nur um Konstruktionen. So schätzt sich jemand, der magersüchtig ist, selbst niemals als zu dünn ein. Eine narzisstische Persönlichkeit wiederum sieht sich stets größer, als sie tatsächlich ist und sie fühlt sich selbst mit einer Körpergröße von 1,60m wie 1,80m.

Warum können wir uns nicht so sehen, wie wir wirklich sind?

Gschwind erklärt, dass wir alle unsere blinden weißen Flecken haben. So können manche bei uns Dinge sehen, von denen wir nichts wissen wollen, da sie uns peinlich sind. Und manchmal ist es sogar ganz gut, dass wir diese nicht wissen, wer wir wirklich sind. Denn niemand möchte bei sich seine Schwächen ertappen, sondern möchte viel lieber mit seinen Stärken wahrgenommen werden. Ein Beispiel: Bei Sprachen z. B. zeigt niemand gern, dass er etwas nicht versteht. Aber auch am Arbeitsplatz, wo soziale Kompetenz notwendig ist, spielt so mancher die Fähigkeit zur sozialen Interaktion nur vor. Der Psychologe erklärt dazu, dass man so tut, als ob man etwas hätte, und will einfach nicht ertappt werden.

Nun stellt sich die Frage, ob es überhaupt wichtig ist, dass wir wissen, wie andere uns sehen. Der Psychologe antwortet darauf mit einem klaren „ja“. So ist das bei der Teamentwicklung ein wichtiges Thema, bzw. beim Feedback. Denn jeder moechte hören, dass er das was er macht, gut macht. Wir benötigen die Bestätigung und wir brauchen den anderen, um herauszufinden, wer wir eigentlich sind.

Welche Rolle nehmen die Gefühle ein, wie stark wird unser Eigenbild durch Eigenliebe oder Selbsthass geprägt? Durch eine positive Sichtweise aus sich selbst, kann man sich zu Höchstleistungen anspornen, aber es gibt auch Menschen, die mit sich sehr selbstkritisch umgehen. Sie machen gute Arbeit, zeigen ein vorbildliches Verhalten und sind dennoch mit sich unzufrieden, da sie sich selbst die Messlatte viel zu hoch gelegt haben.

Dann wenn wir etwas dagegen unternehmen können die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdbild positive Effekte haben. Doch häufig reagieren wir nur negativ. Bspw. Mit dem Kollegen komm ich eh nicht klar, der schätzt mich völlig falsch ein und ich bin gar nicht so, wie er mich sieht. Wir akzeptieren eher von den Personen ein Feedback, das uns die Möglichkeit gibt uns positiv zu verändern, von Personen, denen wir vertrauen.

Sollte man sein wahres Ich verbergen?

Ist es besser, sein wahres ich zu verbergen? Funktioniert das überhaupt? Lässt sich das Erlernen? Gschwind erklärt auf diese Fragen, dass der Mensch den kompletten Tag nichts tuend vor dem Fernseher sitzen und Bier trinken kann, sich nicht wäscht und sich von nichts stören und aus der Ruhe bringen lässt – doch das kann den Partner allerdings sehr stören. Aber immer dann, wenn wir bei anderen Anecken, können wir etwas daraus lernen und eben das ist das eigentliche Wichtige: wir müssen das Feedback nutzen.

Gschwind erklärt zu dem, dass wir vor uns selbst indes, unser wahres ich auf keinen Fall verbergen dürfen. Ein jeder sollte sich immer, so gut wie es geht, darüber im Klaren sein, wer er wirklich ist und welche Wirkung er auf andere hat.

Wie wirke ich auf andere? – „Check your Image“
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