Wenn der Partner immer der falsche ist

Der Mensch wird unerbittlich von der Natur zum Pas de deux getrieben. Dabei hat die Suche nach dem richtigen Partner einen entscheidenden Haken: Wir greifen statistisch gesehen 12-mal daneben. In der Wahl des falschen Partners sehen die Psychologen eine wunderbare Möglichkeit, Psychohygiene zu betreiben.

Es empfiehlt sich bei der Suche nach Mr. Perfekt und Miss Right ein gesunder Menschenverstand und die Qualitäten eines Regisseurs. Der renommierte US-Psychologe Robert J. Sternberg erklärt, dass die Liebe nichts anderes ist als ein individuelles Drehbuch, das der Mensch bereits nach seiner Geburt zu schreiben beginnt. Es gelte im späteren Leben, so Sternberg, sich einen Partner mit einer kompatiblen „Beziehungs-geschichte“ zu angeln.

Schönheit ist vergänglich, Intelligenz ist relativ, die Verlässlichkeit selten und Vertrauen trügerisch. Daher muss nach einer einmaligen Mischung der verschiedenen Merkmale gesucht werden. Der Hamburger Paartherapeut Prof. Wolfgang Hantel-Quitmann erklärt, dass manche einen Partner finden, unglücklich sind und dennoch mit diesem Zusammenbleiben. Andere wiederum finden sich nur für eine gewisse Zeit und trennen sich dann wieder, manchmal sogar ohne zu wissen, warum. Dann gibt es noch diejenigen, die sich selbst nach vielen Ehejahren nicht verstehen und nicht begreifen, warum sie sich gerade gefunden haben. Hantel-Quitmann erklärt, dass sich das nicht mehr rational verstehen lässt, denn es ginge dabei um irrationale, unbewusste, paardynamische und emotionale Themen.

Das Selbstwertgefühl ist häufig das Problem

Doch die Fragen, die hier aufkommen, sind: Ist es normal, dass wir öfter auf den Falschen hereinfallen? Warum suchen wir manchmal unser eigenes Unglück? Welche Motive bringen uns dazu, dass wir uns immer wieder einen Partner suchen, der uns seelisch wie auch körperlich verletzt? Kann die Liebe tatsächlich so stark sein, dass man all die Erniedrigungen in Kauf nimmt und damit auch das wiederholte Scheitern?

Häufig haben Menschen das gleiche Spiel durchlebt und durchlitten und sie bleiben dennoch bei ihrem Partner, kehren zu ihm zurück oder sie suchen sich genauso einen wieder aus. Manchmal sind es sogar endlose Kreise, von Verletzung, Verzeihung und neuerlicher Verletzung.

Es wird oft das Gewohnte und nicht das Richtige gesucht

Bleibt ein Mensch bei einem solchen Partner, da er ihn liebt und deshalb alles erträgt, oder lieben sie und auch gerade deshalb, weil sie so schlecht behandelt werden? Hantel-Quintmann erklärt (Zitat):

„Das klingt widersinnig, aber manchmal werden Partner gewählt, die nicht gut tun oder gar verletzen, weil nur diese Partner ein bislang ungelöstes Lebens- und Liebesthema repräsentieren. Wer so sein Unglück wählt, trägt tief in seinem Innern immer noch die Überzeugung, dass er nicht liebenswert ist.“

Wer auf einen Partner trifft, der ihn mit seiner Liebe überschüttet, der fühlt sich dann gar nicht gemeint. Anstatt dass jemand akzeptiert wird, der Anerkennung gibt, wird der Partner gewählt, der sich verweigert und der wieder aufs Neue verletzt. Immer wieder wird sich für ein Psycho-Muster entschieden, das bestens vertraut ist.

Der Partner als Ventil

Bei der Partnerwahl handelt es sich auch um eine wunderbare Möglichkeit, Psychohy-giene zu betreiben – um so die eigenen schlechten, ungeliebten Seiten loszuwerden. Das eigene Negativ lassen wir vom Partner leben und sind daneben die reinsten „Gut-menschen“. In diesem Moment hat das gewählte Unglück einen Sinn: Sich selbst von allen negativen, peinlichen, schamhaften und schuldbeladenen Seiten der eigenen Person reinzuwaschen, indem diese von dem gewählten Partner ausgelebt werden. In der Psychologie wird eine solche Selbststabilisierung auch als „interpersonelle Abwehr“ bezeichnet.

Warum wird von dem leuchtenden Pfau die graue Maus gewählt oder von dem selbstlosen Menschenfreund ein überzeugter Egoist? Warum entscheidet sich ein Sinnenfreund für den asketischen Stubenhocker? Wir verstehen die graue Maus, den Egoisten, den Chaoten und den Stubenhocker, da es uns klar zu sein scheint, was wir von dem anderen haben.

Doch umgekehrt? Da ist dann die Wahl des negativen Selbst, denn der leuchtende Pfau wehrt damit das Mausgraue in sich ab, der Menschenfreund seinen Egoismus, der disziplinierte Mensch entledigt sich von seinen chaotischen Seiten und der Freund der Sinneslust fühlt sich durch seine Grenzen mehr eingeengt. Alle sind frei von den inneren Konflikten, der Feind ist nicht mehr das strafende Über-Ich oder eine abgewehrte Lust, sondern der schlechte Partner – und da kann mit aller Kraft bekämpft werden.

Die Gene sind ebenfalls entscheidend

Doch nicht nur die Psyche entscheidet, sondern auch die Gene funken bei uns in die Partnerwahl hinein. Damit überlebensfähiger Nachwuchs gezeugt werden kann, muss der Gen-Pool gemischt werden. Das bedeutet: Die Frau sucht nach einem potenten Alpha-Männchen, dessen Gene sich von den ihren unterscheiden. Sicherlich, das ist gut für die Kinder, doch schlecht für die Seele.

Aber wie kann der richtige Partner gefunden werden? Von dem Berliner Psychologe Peter Todd wurde mathematisch herausgefunden: Wer bei 12 Partnern daneben liegt, der wird dann bei Nummer 13 fündig – sofern die Ansprüche nicht zu hoch sind. Doch wer den perfekten Partner sucht, der muss durchschnittlich 37 Kandidaten testen.

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