Wenn der Partner geht – so wirst du mit der Trennung fertig

Wenn aus dem „wir“ plötzlich wieder ein „ich“ und „du“ wird, dann ist das für viele Paare eine sehr schmerzvolle Erfahrung. Dabei gibt es Warnzeichen, die darauf hinweisen, dass die Beziehung zu bröckeln beginnt. Das Problem ist, dass besonders Männer die Grundsatzdiskussion scheuen. Zurück bleiben dann Tausend Fragen und ein riesiger Scherbenhaufen.

„Es ist vorbei, ich gehe“

Er hat den Koffer mit einem zerknirschten Blick in der Hand und dann kommt der alles entscheidende Satz „Es ist vorbei, ich gehe“. Auch wenn schon länger nicht mehr alles rund lief und die romantische Liebe schon längst dem Alltag zum Opfer gefallen ist – mit einer solch spontanen Trennung rechnet niemand und am allerwenigsten der verlassene Partner. Dass was zurückbleibt, sind tausende von Fragen und ein Scherbenhaufen.
Der Mann sprach „Ich gehe schnell Zigaretten holen“ und wanderte dann nach Australien aus. Das ist ein alter Witz, über den längst nicht mehr viele Frauen lachen kön-nen. Denn es sind vor allem die Männer, die ihre Frauen von einer Minute auf die andere und vor allem ohne jegliche Vorwarnung verlassen. Die Mannheimer Diplom-Psychologin Doris Wolf erklärt, dass die meisten Männer keine Grundsatzdiskussion in der Partnerschaft führen und auch ungern über Schwächen und Misserfolge sprechen und/oder Probleme leugnen.

Aber wenn er seine Unzufriedenheit nicht thematisiert, dann hat sie kaum eine Chance, etwas zu ändern. Selbst wenn beide die Probleme wahrnehmen, so distanziert sich der eine bereits viel weiter von der Beziehung als der andere Partner, wie der Diplom-Psychologe Peter M. Wiblishauser aus Haar bei München aussagt und damit den fatalen Prozess der fehlenden Kommunikation beschreibt.

Auf Warnzeichen achten

Sicherlich gibt es auch Frauen, die ihre Männer vor unvollendete Tatsachen stellen. Doch im Gegensatz zu den Männern haben sie ihren Partnern vorab bereits eine Vielzahl von Warnungen gegeben. Daher ist die plötzliche Trennung aus der weiblichen Sicht eher das Ende einer langen Kette, die Kapitulation einer verlorenen Schlacht. Irgendwann hat Frau die Nase voll, da trotz unzähliger Versuche nichts passiert.

Doris Wolf erklärt, dass die Frauen stärker versuchen, an der Partnerschaft zu arbeiten und diese zu retten. Dafür senden sie deutliche Signale, die vom Partner jedoch häufig nicht verstanden werden. Dagegen arbeiten Männer häufig zu wenig an der Beziehung und das gefährdet die Liebe. Wer eine Beziehung eingeht, der muss, laut der Diplom-Psychologin Anne Huth, auch Verantwortung übernehmen, Probleme offen ansprechen und dem Partner eine Chance für Veränderungen geben.

Alle Experten sind sich in einem Punkt einig: Eine Trennung von heute auf morgen ist unterste Schublade. Wer ohne Vorwarnung geht, der bricht alle Gesetze der Fairness und verletzt elementare Grundregeln. Huth erklärt, das wenn man einmal einen Men-schen sehr geliebt hat, dann ist ein solches Verhalten einfach nicht drin.

Tränen und Vorwürfe

Wer mit dem Gedanken einer Trennung spielt, der sollte seinen Partner darüber frühzeitig in Kenntnis setzen. Vor allem Männer müssen hier versuchen über ihren Schatten zu springen. Wolf erklärt, dass sich die Männer darin schwertun, mit den Reaktionen der Partnerin umzugehen. Sie haben Angst vor Tränen und Vorwürfen. Auch wenn die Vermeidungsstrategie sehr bequem ist, so gelten in der Liebe andere Regeln. Wiblishauser erklärt, dass in einer Partnerschaft die Verpflichtung besteht, einander mit Respekt und Offenheit zu begegnen.

Selbstverständlich hat ein jeder Mensch das Recht, aus einer Partnerschaft auszustei-gen, wenn die Liebe erloschen ist – aber dennoch darf der Partner nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Von Anne Huth kommt der Rat, sich Raum für Gespräche in der Beziehung zu schaffen. Das heißt es soll über Gefühle und Probleme gesprochen werden, auch dann wenn es schwerfällt. Die Paare, die rechtzeitig Bilanz ziehen, die haben eine Chance etwas zu verändern und so der Trennung vorzubeugen.

Sollte der Schlussstrich Realität geworden sein, dann sollte der Verlassene sich nicht scheuen, Hilfe zu suchen. Das können gute Freunde oder die Familie sein, selbst ein Therapeut, denn dann ist es wichtig über die Ängste und Zweifel zu sprechen. Beson-ders die Frage nach dem „Warum“ quält. Sollte der Partner kein Gespräch zulassen, dann sollte ein Brief geschrieben werden, indem die eigenen Gefühle ausgedrückt werden.

Zudem gilt es die Entscheidung zu akzeptieren. Denn wer an dem Glauben festhält, dass der Partner sich eines besseren besinnt und irgendwann zurückkehrt, der verlän-gert nur seinen Schmerz. Sicherlich gibt es Einzelfälle, bei denen es klappt, aber in der Mehrheit hat sich nach einer solchen Trennung das Fenster der Gelegenheiten geschlossen.

Nun frage dich einmal selbst: Wärst du mit einem Menschen, der dich auf einmal so sitzen lässt, überhaupt glücklich geworden?

Eine plötzliche Trennung hat schwerwiegende Folgen

Für den verlassenen Partner ist eine plötzliche Trennung ein schwerer Schlag, der weitreichende Konsequenzen hat. Nicht selten fallen die Betroffenen in ein tiefes Loch und brechen völlig zusammen. Die Trauer über den Verlust des Partners führt zu Selbstzweifeln: Was ist so schlecht an mir? Bin ich nicht mehr attraktiv und liebenswert? Das Selbstwertgefühl kann bei den Betroffenen komplett zusammenbrechen und manche rutschen sogar in tiefe Depressionen und können noch nicht einmal mehr ihrer Arbeit nachgehen. Im schlimmsten Fall entstehen dadurch sogar dauerhafte Bindungsangst.

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